Warum freiberufliche APNs die Langzeitpflege stärken und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind

Freiberuflich oder mobil tätige Pflegefachpersonen sind längst mehr als eine temporäre Lösung. Sie sind ein dynamisches Element in der Weiterentwicklung unseres Versorgungssystems. Während sie in der ambulanten Pflege seit Jahren etabliert sind, entdecken zunehmend Pflegeexpert:innen APN mit erweiterten Rollen – etwa Clinical Nurse Specialists (CNS) – die Freiberuflichkeit als Plattform für wirksames, selbstbestimmtes Handeln. Und das hat Folgen: Die Freiberuflichkeit entwickelt sich vom individuellen Karrierepfad zur strategischen Ressource auch für Institutionen, die Qualität neu denken möchten.

Versorgungslücken 

Was wir schon länger kennen, sind freiberufliche Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dazu gehört beispielsweise Somatik, Psychiatrie oder Stillberatung. Gerade dort, wo klassische Strukturen an ihre Grenzen stossen, z.B. in Randregionen, bei kurzfristigen Einsätzen oder komplexen Situationen, bieten diese Pflegefachpersonen flexible und kompetente Lösungen. Sie bringen nicht nur Fachlichkeit, sondern auch Beziehungskontinuität und Vertrauen zu ihren Klient:innen.

Doch nun steigt das Interesse der APNs an einer mobilen oder freiberuflichen Tätigkeit deutlich an: Immer mehr Advanced Practice Nurses wollen ihre Rolle ausserhalb institutioneller Rahmen gestalten. Als selbstständige Akteur:innen können sie Pflege nicht nur operativ, sondern auch konzeptionell mit steuern. Und genau hier liegt ihr strategischer Mehrwert für Langzeitpflegeeinrichtungen, welcher jedoch mit einigen Herausforderungen einhergeht.

Herausforderungen

Während Nurse Practitioners (NPs) zunehmend in der direkten medizinischen Versorgung tätig sind und eng mit Ärzt:innen zusammenarbeiten, agieren CNS häufig konzeptionell und auf struktureller Ebene. Dabei gelten besonders Pflegeexpert:innen mit Schwerpunkt CNS als Schlüsselfiguren für evidenzbasierte Praxis, Teamcoaching und Qualitätsentwicklung. Ihr Mehrwert für die Langzeitpflege ist hoch, doch rechtliche und finanzielle Barrieren bremsen aktuell noch ihre Entfaltung. Beratung, Konzeptarbeit und Projektrealisation können derzeit nicht über die Krankenpflegeversicherung abgerechnet werden und müssen intern querfinanziert werden. Für Institutionen bedeutet das: Wer CNS als Freiberufler:innen engagiert, investiert bewusst in Qualität, muss die Finanzierung jedoch entsprechend planen.

Ein zusätzlicher Stolperstein ist die uneinheitliche Verwendung des Begriffs „Pflegeexpert:in“. Der Titel ist in der Schweiz rechtlich nicht geschützt und kann auch von Personen ohne entsprechende Qualifikation verwendet werden. Nur wenn der Zusatz APN-CH verwendet wird, handelt es sich um eine offiziell anerkannte Advanced Practice Nurse mit entsprechender Masterausbildung und erweiterten Kompetenzen. Diese Unklarheit birgt Risiken: Für Institutionen, die in gutem Glauben Leistungen einkaufen, die letztlich nicht dem erwarteten Qualitätsstandard entsprechen. Für Klient:innen oder Bewohnende, die auf spezialisierte Expertise angewiesen sind. Und für das Berufsbild selbst. Denn die Verwässerung professioneller Rollen schwächt die Glaubwürdigkeit und die Wirkung echter Pflegeexpertise.

Gerade im mobilen und freiberuflichen Kontext braucht es deshalb klare Differenzierung, transparente Qualifikationsnachweise und die Bereitschaft, für Qualität auch strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen. Wer in Pflegeexpert:innen APNs investiert, soll auch sicher sein dürfen, dass entsprechende Kompetenzen vorhanden sind.

Gelebte Innovation statt Reformpapier

Die Freiberuflichkeit zeigt, wie Pflege auch sein kann: kompetent, nahbar und wirksam. Das macht sie potentiell zum stillen Innovationstreiber der Branche. Damit dieses Potenzial wirksam wird, braucht es Netzwerke wie curacasa, Verein für Pflegewissenschaft oder APN-CH, die Erfahrungen bündeln, politische Sichtbarkeit schaffen und an nachhaltigen Finanzierungsmodellen arbeiten. Es braucht aber auch dringen die erforderlichen, politischen Rahmenbedingungen für eine faire Finanzierung sowie Pflegeinstitutionen, die bereit sind, mit freiberuflichen Pflegeexperten:innen APN zusammen zu arbeiten.

Freiberuflichkeit ist keine Konkurrenz zur klassischen Pflege, sondern eine Ergänzung. Sie bietet neue Perspektiven auf Fachlichkeit, Beziehung und Verantwortung. Die Zukunft der Langzeitpflege entsteht durch den Mut, neue Wege mitzugestalten – dezentral, individuell und wirkungsorientiert.

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Weitere Literatur zum Thema

  • Nielen, N. & Chion, A. (2025). Freiberufliche Pflege schliesst Lücken. ARTISET Magazin (7/8). Seiten 48-49. (Artikel)
  • Karner, S. & Nielen, N. (2024). Widerstände im Team annehmen. Altenpflege (04), Vincentz Network, Hannover (www.altenpflege-online.net), Seite 38-40. (Artikel)